Unternehmensbesuch bei Siegfried
Am 21. Oktober durften wir gemeinsam mit rund 30 Gästen die Siegfried Holding AG besuchen. Das 1873 gegründete Schweizer Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Zofingen zählt zu den weltweit führenden Auftragsentwicklern und -herstellern für die Pharmaindustrie (CDMO). Siegfried ist sowohl in der Entwicklung und Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe (Drug Substances) als auch in der Produktion fertiger Arzneimittel (Drug Products) tätig und deckt damit wesentliche Teile der pharmazeutischen Wertschöpfungskette ab.
Zu Beginn unseres Besuchs erhielten wir von CEO Marcel Imwinkelried interessante Einblicke in die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie in die aktuellen Entwicklungen der globalen Pharmaindustrie.
Ein zentrales Thema war die zunehmende Deglobalisierung und die damit verbundene Regionalisierung der Lieferketten. Pharmaunternehmen legen verstärkt Wert darauf, ihre Produkte näher an den jeweiligen Absatzmärkten herstellen zu lassen. Insbesondere die lokale Produktion in den USA und China gewinnt vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen an Bedeutung. Siegfried kann mit seiner internationalen Produktionspräsenz von dieser Entwicklung profitieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Auslastung der Produktionskapazitäten. Für einen CDMO-Anbieter ist eine hohe Kapazitätsauslastung von entscheidender Bedeutung, da die Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe und Arzneimittel mit hohen Fixkosten und erheblichen Investitionen in Produktionsanlagen verbunden ist. Eine steigende Auslastung ermöglicht eine bessere Verteilung der Fixkosten und wirkt sich entsprechend positiv auf die Profitabilität aus.
Auch die Veränderungen innerhalb der pharmazeutischen Innovationslandschaft wurden thematisiert. Neue Wirkstoffe und innovative Therapieansätze stammen zunehmend von kleineren Unternehmen und Start-ups. Diese verfügen häufig nicht über eigene industrielle Produktionskapazitäten und sind deshalb auf spezialisierte Entwicklungspartner und Auftragshersteller angewiesen. Für CDMO-Unternehmen wie Siegfried eröffnet dies zusätzliche Wachstumschancen.
Finanzielle Entwicklung und Kapitalintensität
Neben den strategischen Themen wurden auch die Investitionstätigkeit (Capex), der Free Cashflow sowie die Fremdfinanzierung des Unternehmens beleuchtet. Der Ausbau und die Modernisierung der Produktionskapazitäten erfordern erhebliche finanzielle Mittel. Entscheidend ist deshalb, dass sich die Investitionen mittelfristig in einer höheren Auslastung, steigenden Margen und einer verbesserten Cashflow-Generierung niederschlagen.

Quelle: Siegfried Geschäftsbericht 2025, «Core Results» / Non-GAAP Kennzahlen
Die Zahlen verdeutlichen die hohe Investitionstätigkeit von Siegfried. Trotz einer operativ starken Entwicklung und einer verbesserten EBITDA-Marge fiel der Free Cashflow im Geschäftsjahr 2025 aufgrund der umfangreichen Investitionen leicht negativ aus. Die Bilanzierung und Finanzierung der Wachstumsinvestitionen bleiben deshalb wichtige Faktoren für die weitere Unternehmensentwicklung.
Besichtigung von Produktion und Lager
Im Anschluss an die Präsentation erhielten wir bei einem Rundgang durch das Werk und die Lagerbereiche die Gelegenheit, einen direkten Einblick in die operativen Abläufe von Siegfried zu gewinnen. Die Besichtigung vermittelte einen anschaulichen Eindruck von der Komplexität der pharmazeutischen Produktion und den Anforderungen an die industrielle Herstellung von Wirkstoffen und Arzneimitteln. Insbesondere wurde deutlich, welche Bedeutung einer zuverlässigen Produktionsinfrastruktur und einer gut organisierten Logistik innerhalb der pharmazeutischen Wertschöpfungskette zukommt.
Bewertung und Ausblick
Siegfried befindet sich in einem strukturell attraktiven Marktumfeld. Die zunehmende Auslagerung von Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten durch Pharmaunternehmen, die wachsende Bedeutung kleinerer Biotechnologieunternehmen sowie die Regionalisierung der Lieferketten dürften die Nachfrage nach spezialisierten CDMO-Dienstleistungen langfristig unterstützen. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell kapitalintensiv. Hohe Investitionen in neue Produktionskapazitäten können den Free Cashflow kurzfristig belasten. Für die weitere Entwicklung werden deshalb insbesondere die Auslastung der bestehenden und neu geschaffenen Kapazitäten, die Profitabilität sowie die Entwicklung der Verschuldung entscheidend sein. Mit einer EBITDA-Marge von rund 23.5% im Geschäftsjahr 2025 verfügt Siegfried über eine solide operative Ertragskraft. Gelingt es dem Unternehmen, die getätigten Investitionen in zusätzliches profitables Wachstum umzusetzen, dürfte sich dies mittelfristig auch positiv auf die Cashflow-Generierung auswirken.
Den Abschluss unseres Unternehmensbesuchs bildete ein Apéro riche, der Gelegenheit für persönliche Gespräche und einen weiteren Austausch in angenehmer Atmosphäre bot.
Autor: Jérémy Grob
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